Saison – Artikel

von Redaktion • 30.12.2009 • Kategorie: Szene
• Ausgabe 01/2010

Die vier Jahreszeiten bestimmen das Spiel von Kindern seit jeher. Die Sonderausstellung Frühling, Sommer, Herbst und Winter im Spielzeugmuseum Nürnberg zeigt, wie die Spielgewohnheiten in den Rhythmus des Jahres eingebunden sind. Mit zirka 200 Exponaten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden typische Spielsachen und Spiele, mit denen sich Kinder in den verschiedenen Jahreszeiten gern beschäftigt haben, präsentiert. Einbezogen in die Ausstellung sind auch wichtige Feste und Bräuche des Jahreslaufs wie Ostern und Weihnachten. Ausschnitte aus privaten Familienfilmen der 1920er- bis 1950er-Jahre geben einen unterhaltsamen Einblick in die Spielwelt früherer Generationen. Die Sonderausstellung kann noch bis zum 21. Februar besucht werden.


Babypuppe aus Masse von Hilmar Brückner mit Vögeln aus Blech und Samt der Marke Schuco (beides um 1930)


Puppenschaukel aus Holz (1910) und Biskuitporzellankopfpuppen der Gebrüder Heubach von 1920



Biskuitporzellankopfpuppe von Kämmer & Reinhardt (um 1916) mit Croquet-Spiel

Im Gegensatz zu heute wurde früher weitaus mehr im Freien gespielt. Freiräume zum Spielen sind in unserer Zeit immer seltener geworden. Zunehmende Verstädterung, lebensgefährlicher Straßenverkehr und attraktive, gekaufte Spielzeuge haben die seit Jahrhunderten tradierten Kinderspiele im Freien innerhalb der letzten 50 Jahre weitgehend verschwinden lassen. Zu den klassischen Geschicklichkeitsspielen im Frühjahr, die offene Bodenflächen ohne Bewuchs verlangten, gehörten Peitschenkreisel und Murmeln. Während der „Murmelsaison“ gab es kaum ein Kind, das nicht mit den „Schussern“ oder „Klickern“ aus Ton oder Glas spielte.


Frühling und Sommer


Erinnerungen an Kindertage im Frühling ranken sich meist auch um das Osterfest. Österliche Saisonartikel aus Pappmaschee wie Eier und Hasen zum Befüllen kamen vorwiegend von der thüringischen Spielwarenindustrie. Darüber hinaus nahmen Firmen Ostern gern zum Anlass, Spielzeug passend zum Fest auf den Markt zu bringen. Osterspiel­sachen wurden in vielen Varianten gestaltet: Hasen, Kaninchen oder Küken aus Holz, Blech oder Plüsch. Hinzu kamen noch Frühlingsboten der Tierwelt wie Störche und Singvögel.

Bereits im 19. Jahrhundert erkannten Pädagogen die elementare Bedeutung von Natur und Garten für die Kindererziehung. Botanische Kenntnisse wurden Kindern in vielen Spielarten oder auch mit Baukästen, Quartettspielen und Büchern vermittelt. Werkzeuge und Gegenstände zum Arbeiten im Garten sind bis heute Standardartikel in der Spielzeugwelt. Während in ländlichen Gegenden im Sommer viele Kinder beim Einbringen der Ernte mithelfen mussten, gehörte für begüterte Schichten ein Aufenthalt an der See zum gehobenen Lebensstil. Der Strand und das Meer boten viele Möglichkeiten, mit Segelschiffen zu spielen oder Sandburgen zu bauen. Der Sommer war früher die Zeit, in der Kinder nachmittags zum Spielen „an die frische Luft“ geschickt wurden. Abgesehen von aller­lei Kegel-, Kugel-, Feder- oder Fangballspielen genügte meist ein Ball.

Herbst und Winter

Der Herbst bietet eine Fülle an kostenlosem Spielmaterial, das jedem zur Verfügung steht. Kastanien, Eicheln und Bucheckern dienten schon immer als Bastelmaterial für Figuren und Zimmerschmuck. Im steten herbstlichen Wind konnten selbst gefertigte Papierdrachen auf den freien Flächen der abgeernteten Felder aufsteigen. Der Herbst war auch die Zeit für Windmühlen und Windspiele, später ebenso für Modellflugzeuge.

Licht spielte in der dunklen Jahreszeit schon immer eine wichti­ge Rolle. Höhepunkt der Sehnsucht nach dem Licht bildet das Weih­nachtsfest. Viele größere Spielsachen wie Puppenstuben oder Kaufläden wurden von den Eltern zu Weihnachten hervorgeholt und aufgebaut. Insgesamt sind die Wintermonate eine gute Zeit für Bücher und Gesellschaftsspiele, in denen die Jahreszeiten selbst ein weit verbreitetes Motiv darstellen. Schneemannbauen, Schlittenfahren und Eislaufen sind jahrhundertealte Wintervergnügen, die fast jedem Kind möglich waren. Als Kinderspielzeug und Sportgerät sind Ski in Deutschland erst seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt.


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